Ab hier der eingesprochene Text:
Aufgaben des Kalmitobservatoriums. von Karl Sonntag, Kalmitmeteorologe. Die Kalmitwarte hat vor allem die Aufgabe im Wetterdienst mitzuarbeiten. Die täglich ausgegebene amtliche Wettervorhersage gründet ich auf die Meldungen ausgewählter Stationen aus gang Europa, deren Beobachtungen von 8 Uhr früh drahtlos veröffentlicht werden. Die Landeswetterwarte in München empfängt dazu noch Morgenbeobachtungen von bayrischen Stationen; eine Reihe dieser Stationen beobachtet und berichtet sofort nach München, so daß kurz vor Ausgabe der Prognose eine genauere Übersicht über die Witterungsverhältnisse in den bayerischen Ländern vorliegt. Die pfälzischen Stationen. Sind dabei von besonderer Wichtigkeit; denn im größten Teil des Jahres wird das Wetter in Europa. Durch den Westen nach Osten ziehende. Tiefdruckgebiete bestimmt. Das Wetter, hauptsächlich das schlechte Wetter wandert also grob genommen, von der Pfalz nach Bayern rechts des Rheins: eine möglichst weit nach Westen vorgeschobene Station ist deshalb der beste Beobachterposten gegen die heranrückenden Regenfronten. Dass dieser Posten desto leistungsfähiger ist. Je höher er liegt, je weiter sein Gesichtsfeld reicht, versteht sich wohl von selbst und es lässt sich daraus abnehmen. Welche Bedeutung die Berichte vom Kalmitgipfel, von dem man bis weit nach Lothringen schaut, für die Synopsis des bayerischen Netzes haben können. Die Grundlage für den Wetter Meldedienst. Ist natürlich eine gut eingerichtete, mit allen nötigen Instrumenten versehene Station. Als Klimastation erster Ordnung liefert die Kalmit wichtige Beiträge zur Klimatologie der Pfalz nach altbewährten Grundsätzen werden die hauptsächlichsten klimatischen Elemente Luftdruck. Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und Stärke. Niederschlag Bewölkung, Sonnenschein beobachtet und aufgezeichnet, soweit möglich und selbsttätig registriert. Die Ergebnisse dieser mit tunlichster Genauigkeit angestellten Messungen. Bilden einen sehr kleinen, aber wertvollen Teil der ungeheuren Materialsammlung, zu der sich die Termins Beobachtungen aller meteorologischen Stationen der Welt auftürmen. Einer gewaltigen Statistik von Tatsachen aus dem Luft. Mehr. Die, wie zu hoffen ist, als Fundgrube noch verborgener Gesetze von recht vielen Forschern gesichtet und durchdacht werden wird.
So hat also die Kalmitwarte 2 Hauptaufgaben, deren Erfüllung den eigentlichen Beobachterdienst ausmacht. Sie ist einmal ein klimatische Sh Observatorium Erster Ordnung, dann der westliche Vorposten des Bayerischen Sondernetzes für den Wetterdienst. Und damit Station der synoptischen Meteorologie.
Darüber hinaus kann sie aber in ihrer großzügigen Anlage der bayerischen Landes Wetter warte noch weitere Dienste leisten. Das Wirken der Landes Wetterwarte in München leitet unter recht ungünstigen äußeren Umständen. Niemand, den man das alte Haus Gabelsbergerstraße 55 zeigt, würde glauben, dass darin ein großes wissenschaftliches Institut seinen Sitz hat, ein experimentelles Arbeiten in den engen, nicht sehr hellen Räumen, die kaum dem Personal Platz bieten. Ist völlig ausgeschlossen. Zwar hat die bayerische Regierung schon lange feierlich versprochen, endlich ein neues und würdiges Heim für das Institut zu erstellen, aber bis heute konnte nichts geschehen und in den nächsten Jahren wird bei der angespannten Finanzlage erst recht. Nichts getan werden damit bleiben als einzige Stetten experimentellen Schaffens die beiden Observatorien auf der Zugspitze und auf der Kalmit.
Die Zugspitze hat als Zeugin der Vorgänge in höheren Luftschichten natürlich überragende Bedeutung. Aber Das kann mit Observatorium. Besitzt viel mehr Platz, sowohl auf der Bergkuppe wie im Turm. Außerdem stehen Licht, Kraft und Wasser zur Verfügung. Anfahrt und Aufstieg sind leicht und schnell zu bewältigen. In der Nähe arbeiten leistungsfähige Spezialindustrien. Man könnte also sogar kompliziertere Laboratoriumsversuche Unternehmen; Es wird sich aber vor allem um Messungen schwieriger zu bestimmender klimatischer Elemente handeln, also etwa der Strahlungsvorgänge aller Art. Der Luft, elektrischen Verhältnisse, der Abkühlungsgröße, der Verdunstung und so weiter. Die Natur macht die Experimente der Meteorologe stellt einen Teil der Versuchsanordnung, zeichnet die Ergebnisse auf und sucht sie zu erklären. Solche Messungen werden natürlich auf allen größeren Observatorien gemacht. Aber jeder sorgfältig gearbeitete Beitrag ist willkommen, denn Methoden und Instrumente lassen sich immer vollendeter gestalten.
Für den Anfang sollen Messungen angestellt werden, die das außerordentlich weite, einzigartige Seefeld ausnützen, nämlich Helligkeit und Sicht, Messungen, dann Bestimmungen des Himmels, Blaues, das sind einfachere Arbeiten aus dem sonst so schwierigen Gebiet der meteorologischen. Optik, die auch keine große Apparatur erfordern. Sie haben erst in letzter Zeit eingeben der Beachtung gefunden, wohl deshalb, weil es sehr schwer ist, die zugrundeliegenden Erscheinungen mit einem genaueren Masse zu erfassen.
Mit den eben genannten Messungen aus dem Gebiet der allgemeinen Klimatologie und Meteorologie sind aber die Arbeitsmöglichkeiten auf dem Kalmitversuchsfeld noch lange nicht erschöpft. Unsere Wissenschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten ganz gewaltig entwickelt. Und entfaltet sich immer weiter eine Menge neuer Unterdisziplinen sind ausgebaut worden, von denen jede nahezu ein eigenes Studium erfordert. Einige dieser Disziplinen seien im Folgenden genannt, um zu zeigen, ein wie großes Tätigkeitsfeld dem kann mit Observatorium an sich offen steht. Vielleicht hilft dies auch, die hierzulande weitverbreitete Meinung zerstören der Wettermacher da oben müsse immer in die wollt. Gucken und sich den Wind um die Nase wehen lassen, um danach das Wetter zusammenzubrauen sonst habe er gar nichts zu tun. Ob freilich größere Untersuchungen vom Beobachter allein geleistet werden können, ist sehr fraglich, da er mit den laufenden Arbeiten ohnehin mehr als genug beschäftigt ist. Wenn es gelingt, das dauernd bewirtschafte der Höhenhaus zu erbauen, dann tritt freilich eine wesentliche Erleichterung der häuslichen Arbeiten ein. Man braucht nur an die geplante Zentralheizung zu denken - und der Beobachter ist von dieser Seite her entlastet. Dann stehen auch mehr Räume zur Aufbewahrung größerer Instrumente zur Verfügung. Ja, es kann leicht ein Gast untergebracht werden, der für die Dauer irgend eines besonderen Versuchs hier oben wohnt. Eine weitere Voraussetzung ist, dass wir auf dem Kalmit Plateau einen größeren Geländestreifen zur Verfügung haben, der durch einen tüchtigen Zaun vor dem Publikum geschützt ist. Der Bau freie Platz neben dem Steinbruch gegen die kleine Kalmit hin ist freundlicherweise von der Gemeinde Maikammer und dem Forstamt Neustadt Süd dem Observatorium überlassen worden.
Das Zugspitzobservatorium wurde vorhin schlechthin als Repräsentant der höheren Luftschichten bezeichnet. Dies ist nur bedingt richtig. Genauer gesagt werden dort die Verhältnisse der Bergatmosphäre studiert, und zwar der Bergatmosphäre um einen freien Gipfel. In den Messungen jeder Station spiegeln sich die örtlichen Besonderheiten und es ist oft nicht leicht, daraus allgemeine klimatologische Grundsätze abzuleiten. Nun hat man sich aber in den letzten Jahren immer mehr für diese örtliche Besonderheiten interessiert. Deren Einfluss bisher tunlichst ausgeschaltet wurde. Die sogenannte Orographische Meteorologie ist im Entstehen, die die Verhältnisse bestimmter Lagen untersucht, also die durch Geländeformen bedingten meteorologischen Eigenheiten, die Meteorologie. Geht hier einen Zug der Zeit folgend den gleichen Weg wie viele andere Wissenschaften; Die große Systematik trägt zurück das Studium kleiner und kleinste Einzelheiten wächst in die Breite. Man mag dies bedauern, weil dadurch das Gesamtbild merklich getrübt, ja verwirrt wird und ein einzelner Mensch, sie ist kaum mehr einen Überblick verschaffen kann. Andererseits vertieft sich die Kenntnis des im praktischen Sinne wirklichen, und das kann beträchtlichen Nutzen stiften.
Für Arbeiten aus dem Gebiete der Orografischen Meteorologie. Ist nun die Kalmit einem selten ideales Versuchsfeld. Man hat gelegentlich die Behauptung hören können, der Kalmitberg sei ungeeignet zur Anlage einer Wetterwarte. Aber gerade das, was– vom Standpunkt der allgemeinen Klimatologie aus– als Hauptnachteil genannt wurde, die starke Wirkung der topographischen Situation, erweist sich nun als Vorzug, die Kalmit ein alter Inselberg. Liegt völlig frei. Unmittelbar am Absturz des Pfälzerwalds zum Rheingraben diese Randlage verursacht eine Menge interessanter Besonderheiten, von denen zwei zur Erläuterung näher geschildert werden sollen, nämlich das Verhalten von Wind und Bewölkung.
Wenn im Herbst im Tal die Kartoffelfeuer brennen, dann sind deren lange weiße Rauchfahne. Ganz vorzügliche Indikatoren der Luftströmungen fast niemals aber stimmt die Richtung dieser Rauchfahnen mit der auf der Kalmit angezeigten Windrichtung überein. Der Rheingraben verleiht den Winden gern eine nördliche oder südliche Komponente. Je nach der Hauptrichtung der Zirkulation. Es gibt aber auch ganz lokale Winde am Gebirgsrand, so besonders einen abendlichen, gegen die Ebene gerichteten Wind in den Tälern. Der zu ziemlicher Stärke anwachsen kann und in der Glut Hitze der Hundstage recht angenehm empfunden wird. Dieser Wind ist ein Teil einer allgemeinen Hang abwärts gerichteten Luftbewegung, die ihren Einfluss auch in einer Verminderung der Bewölkung zeigt. An vielen Wolkentagen gegen Sonnenuntergang lässt sich ein Streifen wolkenlosen Himmels den Haardtrand entlang ganz deutlich verfolgen, manchmal mit außerordentlich scharf begrenzten Wolken Ufern zu beiden Seiten.
Die Orografische Meteorologie hat große praktische Bedeutung erlangt durch den Flugverkehr; Sie ist das eigentliche Arbeitsgebiet der Flugwetter, warten die Kalmit, ist natürlich in den Flugsicherungsdienst einbezogen und meldet nach der Flugwetterwarte Frankfurt. Es führen im Sommer ja auch über die Pfalz 2 Fluglinien hinweg, nämlich von Frankfurt nach Saarbrücken und von München über Karlsruhe nach Paris. Wenn der Ost West Verkehr in der Luft einmal stärkeren Umfang angenommen hat, dann kann das fantastische Zukunftsbild. Rascher als wir glauben Wirklichkeit werden: die Kalmit weißt als Flug, Leuchtturm mit starkem Feuer der Nacht, Flugzeugen den Weg.
Das Flugzeug sucht seine Bahn nach topographischen Karten. Die Meteorologie ist In dem Wissenszweig, von dem eben die Rede war, soweit auf Einzelheiten eingegangen, dass sie die Wetter Wirksamkeit dieser topographischen Verhältnisse erklären kann. Aber es gibt eine Disziplin, die noch viel kleinere, Sonderungen beachtet, sich mit ihm Vergleich zu geografischen Maßen, winzigen Räumen beschäftigt. Das ist die Mikroklimatologie, die durch Doktor Rudolf Geiger von der bayerischen Landes Wetterwarte München in seinem Buche „Das Klima der bodennahen Luftschicht“ eine erste teilweise Zusammenfassung erfahren hat. Ein paar Beispiele dafür, um welche Probleme es hier geht: wenn man in einem geheizten Zimmer vom Fußboden bis zur Decke Thermometer anbringt, etwa im Abstand von 25 Zentimetern. So kann man daran ablesen, dass die Temperatur keineswegs im ganzen Zimmer gleich hoch ist. Die Luft an der Decke ist wärmer als die über dem Fußboden. Und zwar dürfte der Unterschied gewöhnlich etwa 6 bis 7 Grad ausmachen. In manchen Räumen nimmt die Abweichung groteske Ausmaße an; so wurden in einer Almhütte der bayerischen Berge mehrmals bei Frost am Boden.-2 Grad gemessen an der Decke plus 80. Die Temperaturabnahme erfolgt nicht ganz gleichmäßig, sondern schichtweise. Manchmal wird die Wärmeschichtung in den verschiedenen Horizonten aus Zigarrenrauch sichtbar, die sich bei verhältnismäßiger Luft Ruhe herausbilden. Auf einem kleinen Raum zeigen sich also beträchtliche Diskontinuität. Diese zu studieren, ist die Aufgabe der Mikroklimatologie.
In der Natur weist die Luft über dem Erdboden bis etwa zu 1, 50 Meter Höhe große Temperaturunterschiede auf. Der Boden wird durch die Himmelsstrahlung rascher erwärmt als die Luft, kühlt sich aber auch nachts rascher ab. Die Temperatur nimmt also tags gegen den Boden stark zu, in 5 cm Höhe ist die Luft bei heiterem Wetter um 5 bis 6 Grad wärmer als in 1, 50 Metern Höhe. Nachts tritt das Umgekehrte ein in dieser untersten, so stark veränderlichen Atmosphärenschicht lebende Pflanzen. Deswegen ist ihr Studium von so großer Bedeutung. Nun sind für Getreide, Felder und Wälder schon höchste ergebnisreiche Untersuchungen dieser Art durchgeführt worden. Aber eine Mikroklimatologie der Weinberge existiert bisher überhaupt nicht. Der Winzer weiß nicht, unter welchen thermischen Bedingungen seine Trauben reifen. Hier winkt eine große Aufgabe, deren Lösung Sache der staatlichen und privaten Institute für Wein und Gartenbau und nicht zuletzt der Winzergenossenschaften und Weinguts Großbesitzer selbst ist. Denn man wird nach Feststellung allgemeiner Grundgesetzes sehr in die Einzelheiten gehen müssen. Jede Lage weißt ja ihre Besonderheiten auf, der Gartenbau ist eben zum großen Teil eine mikroklimatische Angelegenheit.
Solche Untersuchungen können von der Kalmitwarte aus beraten und überwacht, soweit es sich um prinzipielle Experimente und Messungen im Waldklima handelt, natürlich auch noch durchgeführt werden; Vielleicht findet sich einmal ein Beobachter, der die gesamten, den Weinbau betreffenden Ergebnisse zusammenfasst und bearbeitet. Man wird mit der mit Hilfe eines Fach Meteorologen nicht entbehren können. Besonders, wenn diese wieder Kalmitbeobachter die Witterung des gesamten Gebietes erlebt und genau aufgezeichnet gewissermaßen im Besitz hat. Es ist zu hoffen, dass ich ein enges und freundschaftliches Zusammenwirken zwischen dem meteorologischen und den landwirtschaftlicheninstitute.cn. Wird ermöglichen lassen.
Der Mikroklimatologe muss sich natürlich mit dem Schicksal der Pflanzen im bodennahen Raum ausführlich beschäftigen. Er beobachtet also die Einflüsse von Vorgängen im Luftmeer auf Organismen; Damit berührt er eine weitere Sonderwissenschaft unserer Gruppe, die als Bioklimatologie bezeichnet werden kann.
Die Bioklimatologie untersucht die Beziehungen. Der meteorologischen Faktoren zu den Lebewesen, zu Mensch, Tier und Pflanze. Ihr Bereich ist außerordentlich weit und vielgestaltig und erfordert das Zusammenwirken von Fachleuten verschiedenartigster Ausbildung. Wenngleich einzelne Forscher, vor allem Professor C. Dorno in Davos erstaunlich viel für die Bioklimatologie geleistet haben. So stehen die Arbeitsmethoden doch noch am Anfang der Entwicklung. Aber es ist gar kein Zweifel, dass dieser Zweig der Klimatologie einmal überragende Bedeutung erlangen wird. Gewissermaßen kehrt die Meteorologie damit zu ihrem Ausgangspunkt zurück, denn die ersten Aufzeichnungen über das Wetter sind in Hinsicht auf Mensch und Pflanze geschehen.
Eine sehr eigenartige und selbständige Wissenschaft, die hierher gehört, ist die Phänologie; sie hat sich zur Aufgabe gesetzt, Die unter dem Einfluss der Jahreszeiten wechselnden Erscheinungen des Pflanzen und Tierlebens zeitlich zu verfolgen. Als besonders wichtige phänologische Ereignisse haben zu gelten: das Auftreten der ersten Blüten, der Beginn der Laub Entfaltung der Anfang der Fruchtreife. Alle diese Daten sind für klimatisch verschiedene Gebiete verschieden. So macht sich der Einfluss größerer See Höhe in einer Verzögerung bemerkbar, die zum Beispiel für Oberbozen im Vergleich zu Bozen 4 Tage im Mittel beträgt. Ein schöner Aufsatz von Professor INE Darmstadt, dem Altmeister der Phänologie, über den Frühlingseinzug in der Pfalz findet sich im Jahrbuch des Pfälzerwaldvereins 1928. Auch auf der Kalmit wurden gelegentlich phänologischer Beobachtungen angestellt.; Sie sollen systematisiert und zu einer dauernden Aufgabe des Beobachters werden. Denn die Pflanzen stellen wohl die feinsten Instrumente da, die das Gesamtklima registrieren. Und es wäre unverzeihlich, wenn man ihre Angaben nicht sorgfältig ablesen und aufschreiben würde. Außerdem hat eine solche natürliche Apparatur den heute wesentlichen Vorzug der Billigkeit.
Am meisten interessiert natürlich die Wirkung der meteorologischen Kräfte auf den Menschen. Sie ist außerordentlich groß, aber recht schwierig zu erfassen. Vor allem Spielen Strahlungsvorgänge dabei eine Rolle. Denn elektrische Zustände, die Radioaktivität des Bodens, schließlich die Zusammensetzung der Luft und ihr Gehalt an Feinstaub. Welche katastrophalen Verheerungen können zum Beispiel winzige Beimengungen von Blütenstaub bei den bedauernswerten Opfern des Heuschnupfens anrichten! Man vergisst leicht, dass der Mensch durch die ungeheure Oberfläche seine Atmungsorgane ständig und eng mit der Atmosphäre zusammenhängt. Die Ursache des Heuschnupfens ist wenigst klar zu erkennen; Sonst gibt die Wetterempfindlichkeit. Des Körpers, meist Brezel, auf, die mit den Mitteln der heutigen Meteorologie nicht zu lösen sind. Es kann vorkommen, dass ein Reihe meteorologisch völlig gleichförmiger Tage heiteren Wetters vom Körper ganz verschieden empfunden werden: ein Teil als erfrischend, die anderen als schwül. Vielleicht handelt es sich dabei um elektrische Vorgänge An der Hautoberfläche, aber sicher auch um Feuchtigkeitsschwankungen, die durch Messen der Relativen Feuchtigkeit nicht auszudrücken sind. Man müsste eine Skala der physiologischen Feuchtigkeit aufstellen, die auf die Haupt Temperatur zu beziehen wäre (Dorno).
Aus alledem ist ersichtlich, dass die Bioklimatologie äußerst aktuelle Probleme von allgemeiner Bedeutung angreift. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn auf der Kalmit bioklimatische, Speziell zog thematische Studien getrieben werden könnten; Vielleicht sollten diese Studien sogar die Hauptsonderaufgabe der Station ausmachen. Sie lassen sich ganz einfach beginnen und stufenweise, je nach den vorhandenen Mitteln immer großzügiger gestalten. Dagegen erfordern Versuche aus der Orografischen Meteorologie eine Menge von Instrumenten, scheiden demnach für Nahsicht überhaupt aus. Während der Zugspitzturm seinem Standort in Fels und Eis gemäß ein physikalisches Laboratorium darstellt, bleibt der Kalmit Gipfel in der Biosphäre im Reich des Lebendigen, und dem sollte man Rechnung tragen.
Vor allem lohnt sich eine Analyse des Kalmitklimas in Bezug auf seine gesundheitlichen Wirkungen. Man muss sich ohnehin wundern, dass sie im Vergleich zu der Sommer heißen schnakenreichen Rheinebene so viel günstigeren Bedingungen der hart Berge nicht besser zu Wochenenderholungen und längeren Kuraufenthalten ausgenutzt werden. Zwischen dem Kalmit Gipfel und Neustadt besteht bei normalem Gradienten ein Temperaturunterschied. Von 4 bis 6 Grad; Das spürt man schon recht deutlich! Die Luftbewegung und dem Gipfel ist überraschend stark. Völlige Windstille lässt sich verhältnismäßig selten beobachten, bei den vorherrschenden westlichen Winden besitzt die zugeführte Luft einen großen Sauerstoffgehalt, ist sie doch über das ungeheure Waldgebiet des Pfalzgebirges hinweggestrichen.
Bioklimatische arbeiten dieser Art würden natürlich zu Werbezwecken für das neue Höhenkurhaus verwendet werden können, Hätten also eine unmittelbar praktische Bedeutung für den Pfälzerwald Verein und den Fremdenverkehr in der Pfalz. Das Kallen mit Observatorium stellt selbstverständlich überhaupt jegliches Ergebnis seiner Arbeit. Das irgendwie nützen kann, gern zur Verfügung. Und hat sich ja auch trotz der bisherigen Not Verhältnisse bemüht, die Erwartungen des Publikums nicht zu enttäuschen. Soweit das irgendwie mit den Dienstaufgaben vereinbar war
So wird täglich eine Wettervorhersage An mehrere Zeitungen herausgegeben die Beschaffung der dazu nötigen Unterlagen ist schwierig und sehr zeitraubend. Aber die Wettervorhersage hat sich als ebenso zuverlässig erwiesen wie die viel größere Stationen. Und das ist auch allgemein anerkannt worden. Manchmal vermögen wir sogar Die besonderen Wetterverhältnisse der Pfalz genauer zu erfassen, vor allem bei an sich indifferenten Wetterlagen. Der Grund hierfür kann auch ganz klar angegeben werden. Das Wetter besitzt nicht nur eine Makrostruktur, die zum Beispiel darin besteht, dass in Mitteleuropa an der Rückseite einer baltischen Depression kühle, unbeständige Witterung herrscht. Sondern es zeigt auch eine Mikrostruktur: in diesem Gebiet allgemein schlechter Witterung befinden sich eine Menge Zonen mit aufheiterndem Himmel, kleinerer und große Regenfronten, Wind, Sprünge usw. Diese lassen sich durch Meldungen aus dem näheren Bezirk wie oben aufgeführt, gelegentlich schon durch Himmelsschau bei genügend großen Gesichtsfeld erfassen. Dann sind die Einflüsse der örtlichen Sonderheiten recht bedeutend, wie ebenfalls oben klargelegt. Und diese Einflüsse kennt natürlich nur ein ortsansässiger Beobachter. Der Kalmit Meteorologe darf füglich für das ganze Gebiet, das er überblickt, als Ortsansässig gelten. Er ist im Stand Wettermeldungen drahtlos aufzunehmen, erhielt Berichte aus dem Bezirk und hat eine voll arbeitende Station. Er kann somit die Methoden wissenschaftlicher Wetterprognose mit der mehr intuitiven Vorhersage aus dem Bild des Himmels verknüpfen und auf die örtlich bedingte Mikrostruktur besonders Rücksicht nehmen.
Neben der allgemeinen Wettervorhersage werden in wachsendem Maße Sonderprognosen aller Art herausgegeben. Das sind die Anfänge eines Wirtschaftsdienstes. Der einmal größte Bedeutung erlangen kann. So erhalten die Pfalzwerke schon seit längerer Zeit Berichte über die Gewittergefahr, Frostwarnungen können in Obst und Weinbaugebieten mit Frostschutzanlagen großen Schaden verhindern. Dazu kommen andere Landwirtschaftliche Vorhersagen und Übersichten, Wetterberichte für Sport und Wandern, Prognosen für Transportgeschäfte (von bei Hitze, Kälte oder Feuchtigkeit verderben denn waren) für Handwerker. Und Fabrikanten, deren Tätigkeit vom Wetter abhängt und so weiter in diesem Zusammenhang darf auch erwähnt werden, dass der große Waldbrand im Neustädter Gebiet am 19. April 1829 von der Kalmit aus entdeckt wurde, was die rasche Alarmierung der Feuerwehren ermöglichte. Und die Löschung des Brandes beschleunigte.
Anfragen laufen ohnehin in steigender Zahl. Ein Mann erkundigt sich nach dem Wetter, der Temperatur, den Sichtverhältnissen, den Winden; Nach Mittelwerten, Niederschlagssummen nach der Witterung, besonders den Regen und Schneefällen an bestimmten Tagen. Manchmal sind ausführliche Gutachten zu erstatten. Das Kalmit Observatorium entwickelt sich allmählich zu der meteorologischen Zentralauskunftsstelle der Pfalz. Natürlich wird gewissenhaft Auskunft erteilt und dafür gesorgt, dass sich die Unterlagen für diese Auskünfte ständig verbessern.
Die große Zahl Der Anfragen Ferret ein starkes Interesse für die Meteorologie, nicht nur für die Wettervorhersage, sondern auch Gott sei Dank für ihre Begründung. Dieses Interesse war unter dem Pfälzer Volk, dem allgemeinen hohen Bildungsstand entsprechend. Immer sehr groß. Heute gibt es nicht weniger als 10 Wetterstationen in der Pfalz, darunter 5 an landwirtschaftlichen Instituten; Die viel größere Oberpfalz hatte bisher nur ein einzige meteorologisch Station aufzuweisen, erst kürzlich ist eine zweite dazugekommen. Man sollte ja eigentlich glauben, dass das Wetter, das jeden Augenblick einen so bestimmenden Einfluss auf unser Schicksal ausübt, Gegenstand verbreiteten Studiums wäre; Gewöhnlich aber geht das Wissen darüber nicht allzu tief, genauer, man kennt wohl die wichtigsten Geschehnisse am Himmel. Kann sie aber nicht erklären. Dieses Wissen zu achten und zu erweitern, soll eine letzte Aufgabe der Kalmitwarte werden. Es finden sich sicher Beobachter, die bereit sind, gelegentlich Vorträge aus dem Gebiete der Meteorologie zu halten und erfreulicherweise ist ja ein großer Teil unserer Wissenschaft ganz gut gemeint, verständlich darzustellen. Vielleicht wächst dann das Verständnis für die Schwierigkeit der Abfassung einer brauchbaren Wettervorhersage und die Arbeit des Meteorologen findet eine gerechtere Beurteilung.
In den obigen Ausführungen wurde versucht darzulegen, was die Kalmit Wetterwarte bereits für die Wissenschaft und die Öffentlichkeit geleistet hat und leistet und welche Arbeitsmöglichkeiten sich beim weiteren Ausbau des Observatoriums auftun. Schon in der kurzen Zeit. Ihres Bestehens hat die warte sehr viel Positives geschaffen und in Zukunft kann sie wie gezeigt. Wurde große wissenschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung erlangen. Damit hat das Institut seines Daseins Berechtigung, hoffentlich auch breiteren Kreisen bewiesen.
Es ist nun aber doch nicht so, dass der Pfälzerwald Verein die Wetterwarte deswegen eingerichtet hat, damit er davon einen irgendwie praktischen Nutzen ziehen kann. Es heißt, die Meinung der Stifte herabsetzen, wenn man die Frage aufwirft, welchen Zweck die Kalmitwarte für den Pfälzerwald Verein denn eigentlich habe. Die Schöpfungen des Pfälzerwald Vereins verraten alle ein so großes Verständnis für kulturelle Werte. Sie sind aus so lebendiger innere Gemeinsamkeit geboren, dass sie idealem Sinn entsprungen auf vorwiegend ideale Bedeutung beanspruchen dürfen. Freilich, wer in dieser Hinsicht bitterer Not. Wo einer dem anderen den Bissen im Munde neidet , Von Verantwortung für gemeinsame Geistigkeit zu sprechen, wagt erregt meist ein mitleidiges Lächeln. Aber es gibt im pfälzischen Volk noch Kreise, die sich dieser Verantwortung bewusst und bereit sind, eines edleren Ziels willen. Opfer zu bringen, trotz des darniederliegenden Wirtschaft, trotz der erdrückenden Last der Besatzung; Das beweisen die nach dem Krieg in Angriff genommenen Pläne des Pfälzerwald Vereins, deren Kühnheit man nur bewundern kann, als eine Hochherzige, weithin beispielgebende Kulturfördernde tat. Wird die Stiftung, der kann mit Wetterwarte im viel gefährdeten Westen Deutschlands stets gerühmt werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich auch in Zukunft-nach dem Rühmenswerten Beispiel der pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften-gebefreudige Spender. Finden mit deren Hilfe die Lösung der gezeigten, umfangreichen und vielversprechenden Aufgaben in Angriff genommen werden kann. Die deutsche Wissenschaft ist wahrlich eine der erstaunlichsten Leistungen des deutschen Geistes und eben diesen Geist ehrt und pflegt. Wird der Wissenschaft in so schwerer Zeit helfend an die Hand geht.
Gesamt 8 Seiten / 3647 Wörter / Lesezeit ca. 25 Minuten Übertragung: Matthias C.S. Dreyer / 15.08.2025