Kalmitstraße

Die Kalmitstraße (auch: Kalmithöhenstraße / Gemeinderatsbeschluss der Ortsgemeinde Maikammer zur Umbenennung der Kalmitstraße zur Kalmithöhenstraße vom 10. Juni 2008; 29/2008 Az:650-02/M;ap. / Autohöhenstraße Maikammer-Kalmit gemäß Einladung vom 20. Mai 1937 zur Einweihungsfeier der Autohöhenstraße am 06. Juni 1937 durch den Bürgermeister der Gemeinde Maikammer-Alsterweiler.) führt zum Kalmitgipfel.

Die Kalmitstraße schließt direkt an die Alsterweiler Hauptstraße an und führt nach Westen in den Pfälzerwald. Der Verkehrsweg steigt von 200 Meter über NN bis auf 600 Meter über NN an. Die Länge umfasst 6.200 Meter. Die Straße besitzt eine durchschnittliche Steigung von 6,5% (nach den Berechnung von Franz Gabriel Allmaras aus dem Jahre 1932. An einigen Stellen werden bis zu 12% (Angaben auf einem ehemaligen Straßenschild) erreicht. Beiderseits der Straße befinden sich historisch bedeutsame Bauwerke. Ein Abschnitt der Kalmitstraße ist als Landesstraße L 515 qualifiziert. Ab dem Scheitelpunkt der L 515, dort führt die Landesstraße weiter nach Elmstein, ist die Fortführung als Kreisstraße eingestuft. Diese etwa 1,5 Kilometer führen zum Parkplatz zwischen “Großer Kalmit” und “Kleiner Kalmit”, heute als Felsenmeer (Teil des Hüttenbergs) bezeichnet. So wird eine Verwechslung mit der “Kleinen Kalmit” bei Ilbesheim vermieden.

Planung und Bauarbeiten

Im Jahr 1931 begann der Bau der Kalmitstraße. Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass es sich beim 15.01.1931 um den Beschluss des Gemeinderates und am 15.04.1931 um den Beginn der Arbeiten vor Ort handelt. Beide Daten werden nämlich von Johannes Damm genannt in der Ortschronik. Sie wurde am 6. Juni 1937 eingeweiht. Geplant wurde die Straße von Geheimrat Franz Gabriel Allmaras. Er überwachte auch den Bau.

Gebaut wurde die Kalmitstraße im Zuge der Notstandsarbeit von der Gemeinde Maikammer. Den ehemaligen Arbeitern der in Konkurs gegangenen Emailfabrik in Maikammer sollte zur Eingliederung in die Arbeitswelt verholfen werden.

Allmaras sah im Bau der Kalmitstraße auch eine Beschäftigungsintiative, wenn er formuliert: “Wie das große Deutschland, so hat auch das übervölkerte Maikammer die große soziale Aufgabe zu erfüllen, für die überschüssigen Kräfte Arbeit zu schaffen.” Er beschäftigte sich auch mit dem Bau eines Höhenhauses auf der Kalmit. Er hielt den heutigen Parkplatz unterhalb des Gipfels für die geeignete Stelle.

Von den landschaftlichen Reizen ausgehend, versprach sich Franz Gabriel Allmaras eine Ankurblung des Fremdenverkehrs durch den Ausbau von Straßen im Pfälzerwald. Neben der Kalmitstraße wird auch die Höhenstraße nach Taubensuhl benannt.

Nach dem II. Weltkrieg wird der Gedanke einer “Waldstraße” erneut aufgegriffen. In einem Beitrag vom 04. April 1956 schreibt der damalige Leiter der Landesplanungsbehörde bei der Bezirksregierung der Pfalz. Karlfritz Müller äußerst sich zur “Schaffung eines geschlossenen Erholungsgebiets im Regierungsbezirk Pfalz”.

Einweihungsfeier

Die Einweihungsfeier fand am Sonntag, den 06. Juni 1937 statt. Am 20. Mai 1937 lud dazu der damalige Bürgermeister Gustav Buchenberger ein “beehrt sich die Gemeinde Maikammer=Alsterweiler ergebenst einzuladen.” Das Programm umfasste ein Standkonzert am General v. Hartmann-Denkmal, ein Essen in den verschiedenen Gasthäusern, die Anfahrt der Fahrzeuge nach der Kalmit, den Aufmarsch der am Straßenbau “beschäftig gewesenen Arbeiter” durch die Alsterweiler Talschlucht und einer “Weiherede des Bürgermeisters”. Im Anschluß stand “Gemütliches Beisammensein” auf der “Zeitfolge”.

Bauwerke

Brückenbauwerke

Das Brückenbauwerk bei Höhenmeter 400 üNN ist aus Sandstein gefertigt. Zwei bogenförmig gemauerte Durchlässe sichern den ungehemmten Abfluss von Wasser vom Kalmitberg. Zur seitlichen Begrenzung der Straße sind zehn kleine Bögen aufgemauert. Ein Sandsteinfindling (wohl aus den Grundarbeiten) ist eingemauert. Er sitzt auf der Mitte zwischen dem ersten und dem zweiten Bogen. Dazu schreibt Franz Allmaras “Am Fuß des Kalmits beim Kastanienwäldchen, wo sich bei schweren Regengüssen die Wassermassen vom Kalmitmassiv zusammendrängen, ist eine Steinbrücke mit 3 kreisförmigen Oeffnungen von je 3m lichte Weite geplant, die gleichfalls aus dem beim Bau anfallenden Steinmaterial in Zementmörtel hergestellt wird.” Ausgeführt wurden nur 2 Öffnungen, die für Wanderer begehbar sind.

Bildnisse

Entlang der Kalmitstraße sind an den Durchlässen einige Bildnisse eingeschlagen. Es handelt sich um Steinmetzarbeiten, die wohl im Zuge des Ausbaus der Straße gefertigt worden waren. Zwei Bildnisse sind noch zu sehen, ein Wildschwein und eine Frauenbüste.

Durchlässe

Entlang der Kalmistraße sind auf beiden Seiten - in der Regel hangabwärts - Durchlässe eingebaut. Sie dienen der Abführung von Regenwasser. Es dürften noch etwa 20 Durchlässe erhalten sein. Es handelt sich dabei um einfache Bauten bis hin zu sehr aufwändigen fast mannshohen Unterführungen aus Sandstein.

Straßenbegrenzungen

An einigen steilen Stellen sind Straßenbegrenzungen zu erkennen. Es handelt sich um Sandsteinpfeiler, die am Straßenrand eingelassen sind. Bei Straßenausbesserungsarbeiten werden diese Relikte mehr als stiefmütterlich behandelt. Eine erhebliche Anzahl ist inzwischen verschwunden. Viele sind umgefallen oder liegen am Hang.

Verlauf der Straße

Die Straße verläuft oberhalb Alsterweiler zunächst durch Weinbergslagen bis nahe an den Privatwald auf dem alten Steinbruchweg. Die Straße umfährt mit einer Kehre den alten Steinbruch führt an der Schutthalde des Steinbruchs vorbei bis zum Kastanienwäldchen, über die Brücke und mit einer erneuten Kehre am Breitenberg (Parkplatz) vorbei hinauf zur Abzweigung der Straße nach St. Martin und Breitenstein bzw. Elmstein. Von dort verläuft die Straße mit mäßigem Anstieg bis zum Parkplatz unterhalb des Gipfels.

Landesstraße Nr.515

Die Kalmitstraße wurde am 6. Dezembet 1963 durch die Landesregierung zur Landesstraße Nr. 515 erklärt. Mit Hilfe der Amerikaner wurde in den 60 Jahren auch der kleine “Rest” der Straße, der sog. Gipfelweg vom Parkplatz bis zur Kalmithütte ausgbaut. Dieser Teil ist nicht öffentlich befahrbar und durch eine Schranke abgesperrt.

Literatur

Allmaras, Franz (1931): Die Kalmitstraße. Ein Sozial= und Wirtschaftsproblem. In: Der Rheinpfälzer 241: 4.
Pfälzerwaldverein (2004): 100 Jahre Ortsgruppe Maikammer-Alsterweiler.Maikammer: Selbstverlag, Seite 9.
Ziegler-Schwaab, Judith (1993/Januar): Franz Allmaras: Sohn von Alsterweiler. In: Die Rheinpfalz 12, 13, 19, Teil (5) vom 23. Januar 1993.
Pfälzerwaldverein (2004): 100 Jahre Ortsgruppe Maikammer-Alsterweiler.Maikammer: Selbstverlag, Seite 9.
Damm Johannes (1988): Das Ende der Emailfabrik in Maikammer und der Bau der Kalmitstraße]] In: Heimat-Jahrbuch Landkreis Südliche Weinstraße 1989, Seiten 150-156
. Müller, Karl-Fritz (1956 April 04): Schaffung eines geschlossenen Erholungsgebietes im Regierungsbezirk Pfalz. In: LA Sp H 13 Nr.3391 (Regierungsbezirk Pfalz: Az. 43-642/8-Tgb.Nr. 6122/56). (Hg.), (Band 1), Seite(n): 5

Quellen

Landesarchiv Speyer: LA Sp U 103 Nr.675 zu Franz Allmaras und weitere Informationen unter dem Bestand LA Sp H 13 Nr.3391. Der Bestand U103 enthält die Unterlagen der Gemeindeverwaltung Maikammer (Nr. 657) (Allmaras 1937), Bestand H13 stammt aus der ehemaligen Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz (Nr. 3391), die sich mit der Erneuerung der Kalmitstraße befasste.

Internet

https//:www.ak-sozialpolitik.de/doku/02_politik/hartz_iv/geschichte_alv.pdf Notstandsarbeit

Die Fortschreibung der Erkenntnisse über die Kalmitstraße finden Sie hier. https://alsterweiler.matthiasdreyer.de/wiki/Kalmitstra%C3%9Fe

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